THE ART OF

Ken Taylor

Down Under – australische Posterkunst

Der Australier, dessen im Offset-Druck entstandene Poster schon ein Augenschmaus sind, wird demnächst anfangen, seine schicken Werke auch öfter im Siebdruck anzubieten. Zeit wird’s. Gehören doch solche der Musik nahegehenden, eindringliche Kunstwerke, meiner Meinung nach, einfach mal unter ein Sieb und signiert.

Melbourne ist definitiv das Zentrum der Livemusik in Australien. Jede Menge Veranstaltungsorte und sehr viele talentierte Bands, die großartige Musik kreieren.

QUEENSMELBLOW

 

Ken Taylor lebt und arbeitet in Melbourne. Aufgewachsen ist er in Perth in West-Australien, zog aber vor rund 7 Jahren nach Melbourne, um seiner Liebe zur Musik zu frönen. »Melbourne ist definitiv das Zentrum der Livemusik in Australien. Jede Menge Veranstaltungsorte und sehr viele talentierte Bands, die großartige Musik kreieren.« schreibt Ken. In den späten Neunzigern hatte er viele kleine Jobs in Perth, das änderte sich, als er nach Melbourne ging, wo er eine Festanstellung als Grafikdesigner bekam. »Nach etwa vier Jahren kündigte ich und ging meinen eigenen Weg. Da ich viele Leute aus der Szene kennen gelernt habe, lief es von da an, wie von selbst. Jetzt hab ich ziemlich viel zu tun. Es gibt immer großartige Möglichkeiten ’ne Menge Zeug zu kreieren, nicht nur in der Musikindustrie, sondern auch in der Mode und Straßenkultur.«

Kens Meinung zur australischen Posterkunst ist folgende: »Es gab um großartige Musik auch immer großartige Kunst. Wenn man in irgendeiner Straße im Stadtzentrum Melbournes herumläuft, gibt es überall Poster, die Bands ankündigen. Wenn es um das Machen sammelbarer Bandposter geht, stehen wir echt noch am Anfang. Obwohl es diese Szene schon seit Jahren gibt, geht’s jetzt gerade erst richtig los. Was Melbourne angeht, hat das viel mit ›Beyond the Pale‹ zu tun. John Harris macht das seit Jahren und betreibt eine bekannte Galerie in dem Küstenvorort St. Kilda. Ich vermute mal, das ist das Zentrum der Posterszene in Melbourne. Er vermittelt die meisten Jobs, was für mich hervorragend ist und war. Er ist ein großartiger Kerl, der australische Posterkünstler im Ausland berühmt gemacht hat.«

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… und dann kommt mir meist eine Idee in den Kopf

Wenn man Kens Poster betrachtet, kann man immer eine sehr starke Nähe zur Band erkennen. Das könnte daran liegen, daß, bevor er ein Poster anfängt, sein allererster Schritt darin besteht, sich die neueste CD der Band zu kaufen. Er lädt sich die Songs nie aus dem Internet, weil er unbedingt das Cover sehen möchte, um ein Gefühl für das Artwork der Band bekommen zu können. Es könnte natürlich auch daran liegen, daß wie bei vielen Posterkünstlern, ihn die Bands, für die er etwas macht, auch begeistern.
»Normalerweise höre ich sie mir an, während ich an anderen Sachen arbeite oder wenn ich laufen gehe oder sonst was, dann lese ich die Texte und ein wenig über die Band, falls ich sie nicht kenne und dann kommt mir meist eine Idee in den Kopf. Manchmal habe ich Ideen, die mir im Kopf herum schwirren und die nur auf die richtige Band warten. Manchmal hat die Band selbst Ideen oder sie wissen meistens, was sie nicht wollen. Dann fang ich einfach an.«
Das wirft natürlich die Frage auf, ob er sich die Bands aussucht, für die er etwas machen will, oder ob er auch Aufträge dazu annimmt. Seine Antwort dazu:
»Es funktioniert auf verschiedene Arten. Einige Jobs werden durch »Beyond the Pale« vermittelt. Bei manchen ist es so, daß mir die Band wirklich gut gefällt und ich den Tourveranstalter oder die Band selbst anspreche. Hier in Australien kommen die Bands oder die Veranstalter in der Regel zu mir. Das Internet hat es mir ermöglicht die Arbeit mit Bands aus der ganzen Welt zu beginnen, was mich immer wieder erstaunt. Ich habe gerade die Arbeit an einer CD für eine großartige Band aus Frankreich beendet. Es ist ziemlich cool, die Menschen können über Kunst und Musik miteinander in Verbindung treten und etwas Wundervolles zusammen erschaffen.«

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Der Grund, warum Kens Poster bislang leider selten als Siebdruck zu finden sind, ist ziemlich trivial, er hat zwar Siebdruck-Kurse im College belegt, und kennt sich auch mit der Technik aus, aber die Möglichkeiten in Australien zu drucken sind ziemlich begrenzt, meint er.

Ich finde es entspannend und genieße es, Sachen einfach aus dem Zweck zu kreieren, um die Wände in meinem Haus zu dekorieren.

»Wir arbeiten derzeit an einer Beziehung zu einem Drucker da drüben, um mehr von unserer Arbeit im Siebdruckverfahren herzustellen. Von den letzten Postern, die ich gemacht habe, und von den nächsten, die schon in Planung sind, wird es auch eine Siebdruck-Edition geben.«
Seit kurzer Zeit hat Ken auch wieder die Ölmalerei für sich entdeckt, auch wenn die Zeit ihm dabei einen Strich durch die Rechnung macht.
»Ich bin voll auf Graffiti abgefahren und ich mache ab und zu nebenbei noch was. Aber ja, ich liebe es wirklich, zu malen. Ich finde es entspannend und genieße es, Sachen einfach aus dem Zweck zu kreieren, um die Wände in meinem Haus zu dekorieren. Da nun die Rede davon ist – mir wird es langsam zu eng, so daß ich sicherlich bald anfangen werde, an einer Ausstellung zu arbeiten.«
Auch wenn es eine abgedroschene Frage ist, die jeder Künstler wahrscheinlich schon zuhauf gehört hat, wird sie dennoch nicht uninteressanter. Welche Künstler mag ein Ken Taylor, wofür kann er sich begeistern und was hilft ihm bei seiner eigenen Arbeit?
»Wow, es gibt so viele. Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Als Kind bin ich auf Pop-Art abgefahren. Ich war irgendwie besessen von Roy Lichtenstein, so daß ich seine Kunst im großen Maßstab an meinen Zimmerwänden hatte. Als ich mit Graffiti anfing wurde ich sehr von den Künstlern dieser Szene aus meiner eigenen Stadt beeinflußt. Was Künstler aus der Musikindustrie angeht, wurde ich immer von Stanley Donwood inspiriert – nicht so sehr durch seinen Stil, aber wie er die Musik der Band interpretiert. Ich liebe Radiohead, aber freue mich ebenso darauf, ihre Kunstwerke zu sehen, wie ihre Musik. Was die Posterszene angeht, da gibt es so viele Leute, wie Horkey, Tara McPherson, Mike Saputo, Guy Burwell, Dwitt, Emek und zahllose andere. Es gibt zurzeit so viele coole Dinge, da ist es schwer Namen festzunageln und alle aufzulisten. Ich schaue regelmäßig auf gigposters.com, um Inspirationen zu finden. Jeden Tag gibt es irgendwie immer wieder geniale neue Sachen zu sehen.«

 

Text von Mario Damian

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