THE ART OF

Emek

THE THINKING MAN’S POSTER ARTIST

Amerikanische Posterkunst von Emek

Emek »High on Fire« Burn

 

»Fast schon bei der Geburt abgeschrieben, hatte Emek ein sehr schwieriges, oft tragisches Leben. Nachdem er als Kind jahrelang dazu gezwungen wurde, in einem Plutoniumbergwerk zu arbeiten, gewann er eines von wenigen Bergbaustipendien für die Kunsthochschule. Was er nicht wußte – damit begannen seine Probleme erst. Auf der Kunsthochschule schloß er sich den schlimmsten Leuten an, welche, nachdem sie ihren Abschluß hatten, in die Welt der Kriminalität als freischaffende Künstler abrutschten. Von ihnen hat man nie wieder etwas gehört. Die einzige Möglichkeit für Emek, diesem hoffnungslosem Schicksal WERBUNG, welches seinen Kollegen widerfahren ist, zu entgehen, war es, ein Rock’n’Roll-Künstler zu werden.«

Ob es wirklich seine einzige Chance war, mit seinem Talent etwas zu erreichen, wissen wir nicht. Was wir aber wissen, ist, daß man diesen Text mit einem Augenzwinkern lesen sollte. Dieser kleine Ausschnitt aus Emeks selbstverfaßter und auf seiner Webseite nachzulesenden Biographie liest sich um einiges interessanter als seine wirkliche.

Schon an dieser ironischen Herangehensweise an das eigene Leben kann man erkennen, daß Emek sich selbst und sein Gesamtkunstwerk nicht allzu ernst nimmt. Was er aber sehr wohl ernst nimmt, ist die Arbeit an jedem einzelnen seiner Werke, seien es politische Plakate, Rockposter oder Zeichnungen.

Obwohl sein Leben nicht dieses von vielen Leuten an Künstlerleben erwartete Leid und Elend beinhaltet, kann man es dennoch oder vielleicht auch gerade deshalb nicht übergehen.

Plakat »The Decemberists« Siebdruck in 11 FARBSCHICHTEN 2007

Emeks Eltern waren selbst Künstler. Seine Mutter malte zenbuddhistische Kalligraphien und sein Vater zeichnete und druckte riesige politische Poster.

Emek und seine zwei Geschwister verbrachten als Kinder viel Zeit im Studio der Eltern, lernten dabei wie man schweißt, modelliert, druckt und zeichnet und ganz nebenbei erhielten sie auch ein Gespür für gute Musik, da im Haus immer irgendwo eine Schallplatte lief.

Emek: »Als wir noch Kinder waren, legten meine Eltern immer Beatles-Scheiben auf und mein Bruder und ich tanzten dazu. Als ich zehn Jahre alt war, nahmen sie mich eines Tages aus der Schule, um mich zu einem Konzert von Pink Floyd mitzunehmen, zu ›The Wall‹ – das hat mich echt umgehauen, in eine neue Welt abtauchen lassen«

So ließ es sich eben nicht vermeiden, daß auch die Kinder eine künstlerische Veranlagung entwickelten. Emeks Schwester fing an Mini-Comics zu malen und sein Bruder schrieb und illustrierte gemeinsam mit Erich Origen eine Parodie auf das amerikanische Kinderbuch »Goodnight Moon« von Margaret Wise Brown. Ihre Parodie nannten sie »Goodnight Bush«.

Worum es in diesem Buch geht, braucht man hier wohl nicht weiter zu erklären. Es wurde jedenfalls ein Bestseller. Was aus Emek selbst wurde, können wir heutzutage sowohl auf Konzertpostern als auch auf vielen politischen Plakaten sehen. In einer »ganz normalen« Familie würde man für solche Werke viel Lob und Anerkennung ernten, nicht so bei Emeks Familie, den Golans:

»Ich hab zeitig lernen müssen, daß sie nicht leicht zu beeindrucken sind – wenn deine Eltern, dein Bruder und deine Schwester alle Künstler sind, erzählen sie die ganze Zeit wie sie dieses oder jenes besser machen würden, anstatt dir einfach ein Kompliment zu machen.« 

Als Emek anfing Poster zu machen, war es ihm sehr wichtig nur für Bands zu arbeiten, deren Musik er mag. Er fand aber schnell heraus, daß es nicht immer darum geht, die Musik zu mögen, sondern um den Prozess, den man mit den Künstlern durchzustehen hat. So kann es schon einmal vorkommen, meint er, daß er mit einer Band, die er mag, absolut nicht zusammenkommt, da sie ihn nicht in Ruhe arbeiten läßt und ihre eigenen Ideen verwirklicht sehen will.
Wobei hingegen »andere Bands, die zwar nicht dem eigenen Musikgeschmack entsprechen, dem künstlerischen Schaffensprozess sehr respektvoll und enthusiastisch gegenüber stehen.«

3D-Plakat »Thievery CorPoration« 45,7 cm x 70 cm x 1,3 cm 3d-Guss bemalt 2002

Emek genießt es, in seiner Kreativität nicht eingeschränkt zu werden. Am meisten motiviert es ihn, wenn die Bands ihm nur eine Auflage mit auf den Weg geben: »etwas Cooles zu liefern«. Bands, die ihre kompletten eigenen Ideen in einem Kunstwerk verewigt sehen wollen und es sich herausnehmen Emek zu diktieren, sollten genügend Geld mitbringen, so Emek, als Wiedergutmachung sozusagen.

Immer wenn ich gefragt werde, welches mein Lieblingsposter ist, antworte ich ›mein nächstes‹.

»Heutzutage wissen aber die meisten Bands, wie ich arbeite, das macht es einfacher.« Und was dabei herauskommt, wenn man Emek in Ruhe arbeiten läßt, kann man in seinen Postermotiven sehen und fühlen: Poster, auf denen im Detail noch ein Detail im Detail zu sehen ist. Emek ist nur ganz selten der Meinung, mit einer Arbeit fertig zu sein.

»Bei den meisten Arbeiten denke ich: Wenn ich doch nur noch einen Tag mehr Zeit hätte. Ich arbeite fast immer bis zur allerletzten Sekunde und wenn ein Poster dann endlich fertig ist, sehe ich für gewöhnlich immer noch Dinge, die ich hätte machen können, die anders hätten sein können. Ich bin nie zufrieden, das spornt mich an. Immer wenn ich gefragt werde, welches mein Lieblingsposter ist, antworte ich ›mein nächstes‹.«

Dieser Einstellung verdankt er es, daß bei jedem seiner Plakate die komplette Posterwelt in helle Aufregung versetzt wird. Es sind seine ungewöhnlichen Poster, seine ungewöhnlichen Herangehensweisen. Er ist ein Star in der weltweiten Posterszene.

Obwohl seine Werke fast immer sehr filigran und detailreich gezeichnet sind, kann man ihn dann im Druckprozess häufig als Mann des Groben bezeichnen. Dann kann es schon einmal vorkommen, daß er eine Gasmaske trägt, um nicht die giftigen Dämpfe einer flüssigen, heißen Kunststoffmasse einzuatmen oder daß er in einer alten Fabrik an einer riesigen antiken Druckerpresse steht.

Je abwegiger eine Idee, je unlösbarer sie erscheint, desto mehr spornt es ihn an, diese in die Tat umzusetzen. Emek beschreitet Wege in der Plakatkunst, an die andere Posterkünstler nicht einmal im Traum denken würden und so platt es auch klingen mag, Emek bekommt seine meisten Ideen im Traum, wacht dann auf und denkt sich: »Wow, das wäre cool, das hat noch niemand vor mir gemacht, aber wie um Gottes Willen stelle ich das an!?«

Zum Glück kommt es ihm dabei zugute, in solch einem kreativen Haushalt aufgewachsen zu sein.

»Ich will, daß meine Poster eine Herausforderung werden, sie sollen anders sein, genau das ist es, was es für mich immer wieder spannend macht. Ich kann mich auf all die Erfahrungen in den verschiedenen Kunstrichtungen aus meinem Elternhaus stützen. Kann mit diesen unterschiedlichen Ansätzen experimentieren. Also suche ich mir ein Medium und eine Methode um meine Idee umsetzen zu können. Meist durch probieren und wieder probieren, bis ich endlich Erfolg habe und das Endprodukt vor mir liegt.«

Dieses Endprodukt kann auch schon einmal ein Poster sein, welches eigentlich keines mehr ist. Für ein Konzert der Queens of the Stoneage zum Beispiel bastelte er einfach ein paar Drehscheiben für ein Twisterspiel und für Thievery Corporation mußte es unbedingt ein Druck in der dritten Dimension sein.

Auf seiner Webseite emek.net findet man einige bebilderte Kurzanleitungen über seine ungewöhnlichen Arbeiten. Bis zur Ideenfindung unterscheidet sich seine Arbeitsweise aber kaum von anderen Posterkünstlern. Er stellt Recherchen über die Bands an, ihre Musik, den Veranstaltungsort. Wenn die Band dann mit dem Entwurf zufrieden ist, dauert es etwa ein bis zwei Wochen um zu drucken und einige Tage um zu nummerieren und zu signieren.

»Verpacken und Verschicken nimmt auch sehr viel Zeit in Anspruch, schließlich möchtest du dir vorher nicht all die Arbeit gemacht haben und diese am Ende wegen Transportschäden ruiniert sehen.«

»Uncle Sam« Acryl auf Karton CD & DVD-Cover für Bad Religion

Beschäftigt man sich mit Emek und seinen Plakaten, stößt man immer wieder auf zweierlei Dinge. Zum einen den Slogan »The Thinking Man’s Poster Artist« und zum anderen auf viele, viele Skelette.

Zu seinem Slogan meint Emek: »Vor 15 Jahren, zu der Zeit, als ich anfing Poster zu machen, gab es haufenweise Darstellungen von solchen Mädels in Teufelsgestalt und andere Bezüge zu popkulturellen Dingen. Meine Arbeit sollte konzeptioneller sein. Es hatten natürlich auch andere Künstler solche Slogans, naja, jedenfalls sagte eines Tages ein befreundeter Musiker, mit dem ich gerade arbeitete, zu mir: ›Now you’re thinking‹ und ich erwiderte ›Yeah, I’m the thinking man’s poster artist.‹ Dabei blieb es einfach. Eine Art Witz eigentlich, es machte aber auch irgendwie Sinn. Heute arbeiten ja viel mehr Posterkünstler konzeptionell.«

Konzeptionell hin oder her, Skelette müssen aber eben auch bei Emek herhalten. Nur liefert er dafür auch gleich eine tiefgründige Erklärung. »Allein der Gedanke, daß unter jedem lebenden, atmenden, schönen Ding Blut, Innereien und Knochen stecken, das ist faszinierend. ›Blood and Gore‹ (intensive Gewalttätigkeit, Metzelei; Anm. der Redaktion) hab ich nie gemocht, aber eben die mechanische Funktionsweise von Muskeln und Skeletten… Knochen sind immer in uns und sie sind das, was von uns übrig bleibt, wenn wir nicht mehr sind. Deshalb muß es auch unbedingt solche ›anstößigen‹ Arbeiten geben, um uns einerseits an unsere Ängste zu erinnern, aber uns anderseits auch die Realität unter der Oberfläche zu zeigen.«

Wie sein Vater und sein Bruder, ja eigentlich wie die komplette Familie, ist auch Emek ein sehr politischer Mensch. Er läßt es sich nicht nehmen auch hin und wieder provokante politische Poster mit in sein Repertoire aufzunehmen. Meist richten sich diese gegen die Republikaner, in den letzten Jahren natürlich überwiegend gegen Bush, der für die meisten amerikanischen Künstler der Inbegriff des Bösen und gleichzeitzig eine Witzfigur ist. Dies spiegelt sich auch auf Emeks Postern wieder.

SIE kontrollieren die Medien, aber die Straßen gehören UNS.

Zum Abschluß interessiert uns daher natürlich noch, wie er jetzt über Obama denkt, über den Machtwechsel, ob es sich jetzt überhaupt noch lohnt, politische Poster zu machen, und ob er sich mit seiner öffentlichen Meinung auch Feinde gemacht hat.

»In unserem Familienleben hat Politik schon immer eine große Rolle gespielt, schon immer haben wir uns gemeinnützig engagiert. Natürlich macht man sich unweigerlich Feinde, wenn man seine Meinung laut verkündet, aber im Großen und Ganzen sind Menschen, die Kunst und Musik schätzen dabei toleranter. Daher sind es nur die engstirnigen Leute, die mit meiner Meinung nicht einverstanden sind, aber ich fände es sowieso besser, wenn die meine Arbeiten nicht sammeln. Obama ist viel besser als Bush, aber die korrupten Unternehmen, welche Bush kontrolliert haben, sind immer noch stark und besitzen immer noch Macht. Politische Poster werden immer wichtig sein. SIE kontrollieren die Medien, aber die Straßen gehören UNS.« [Artikelende][/Artikelende]

Mario Damian

[list][li]www.emek.net[/li][li]Emek in der englischen Wikipedia[/li][li]Emek Studios[/li][/list]

 

DAS MAKING OF: Emeks 3D-Poster für Thievery Corporation

1. Gestalten und Zeichnen der Schriftelemente

1. Gestalten und zeichnen der Schriftelemente

 

2. Zeichnen des Plasmans

2. Zeichnen des Plasmans

 

3. Anmischen der giftigen Formmasse

3. Anmischen der giftigen Formmasse

 

4. Unordnung

4. Unordnung

 

5. Die gegossene Master-Form bildet ein Negativ des Motivs. darin Werden die einzelnen Abgüsse gegossen.

5. Die gegossene Master-Form bildet ein Negativ des Motivs. darin Werden die einzelnen Abgüsse gegossen.

 

6. Die Abgüsse wurden aus der Master-Form genommen und trocknen im Garten bis sie angemalt werden können.

emek making thievery PRINT

 

 

7. Das fertige 3D-Poster

7. Das fertige 3D-Poster

 

Leave a Comment

*