THE ART OF

The Decoder Ring

Gourmetwürste & Kunstdrucke

Der Decoder Ring Design Concern ist mehr als eine Werbeagentur.

In der üblichen Grafikdesign- und Werbewelt ist Wahrgenommenwerden und Image alles. Wie gewinnt also ein kleines Unternehmen mit Sitz in Austin, Texas, das sich nach einem Spielzeug aus einer Kindermüslipackung benannt hat, landesweit Aufmerksamkeit – und Kunden?

DIE DREI VON DER WÜRSTCHENBUDE. DIE DECODER RING BOSSE GEOFF PEVETO, PAUL FUCIK UND CHRISTIAN HELMS (V.L.N.R.)

Obwohl sie stetig Aufmerksamkeit gewinnen konnten und großartige Werbung in einer Vielzahl von Medien herausbrachten, finden die einzelnen Mitarbeiter Zeit, um sich für Nebenprojekte zu engagieren. Darunter ist ein Spezialitäten-Restaurant mit außergewöhnlich leckeren Hot Dogs und ein ambitioniertes Kunstsiebdruck-Projekt mit den derzeit angesagtesten alternativen Künstlern.

Arbeit, die wir lieben für Kunden, die wir bewundern

Der Decoder Ring Design Concern (DRDC) ist mehr als eine Werbeagentur. In einer Welt von seltsamen korporativen Firmenphilosophien ist die Philosophie von DRDC einfach: »Arbeit, die wir lieben für Kunden, die wir bewundern«.

[zurPerson title=Paul Fucik]Das dritte Mitglied des Teams gestaltet und druckt seit seiner Kindheit. Unterstützt wurde das durch seine Skateboard- und Surfstudien während der Pausen auf der Designschule. Auch er hat Factor 27 mitgegründet und setzt seine umfangreichen Siebdruckerfahrungen in die Tat um. Gelegentlich arbeitet er auch für die Coronado Studios als Meisterdrucker.[/zurPerson]

Einige der besten früheren Sachen sind Plakate, Plattencover und anderes Material für Bands wie Modest Mouse und The Hold Steady, die Plakate der Obama-Präsidentschaftskampagne für die Initiative für jugendliche Wähler, Farmers Fare in Maine und Pauls zweimonatige Surfboard-Designstudie in Neuseeland.

CHRISTIAN UND PAUL BEIM HANDSIEBDRUCK

Gegenwärtig arbeiten sie zusammen mit John Bielenberg an einer erstaunlichen Markenentwicklung für Farmers Fare. Das Restaurant »Frank« entsteht. Sie arbeiten mit David Bazan an einer Verpackung für sein neues herausragendes Album auf Barsuk Records. Weiterhin entstehen einigen Sachen für die Black Sheep Bar, ein neuer Pub in Austin, und für Thunderbird Hotel & Ballroom in Marfa.

Obwohl das Unternehmen außerhalb der großen Werbezentren Nordamerikas operiert, blieb all diese Arbeit nicht unbemerkt. In der Design- und Werbewelt erhielt DRDC Aufmerksamkeit mit Beiträgen beim »Step 100« (ein Designwettbewerb, Anm. der Redaktion), einem Beitrag im Communication Arts Magazin und Siege bei den Design Annuals, sowie Christians Tätigkeit als Jurymitglied des CA Design Annuals.

[zurPerson title=Christian Helms]Er hat ein Diplom in Journalismus/ Massenkommunikation von der Universität North Carolina/ Chapel Hill mit Hauptstudium am Portfolio Center. Danach arbeitete er unter Michael Beirut für Pentagram, für verschiedene andere Agenturen und freiberuflich.[/zurPerson]

Ihre Arbeit war im Print Magazine und auf der Biennale in Chicago vertreten. »Man könnte noch viel mehr aufzählen, aber das wäre langweilig«, sagt Peveto.

KUNSTDRUCK VON AARON HORKEY VON BURLESQUE OF NORTH AMERICA MIT 21 FARBEN GEDRUCKT

Interview

Ihr seid gerade umgezogen. Eure neuen Räumlichkeiten sind großartig. Gebt uns bitte einen kurzen Überblick über die Raumaufteilung und wie sie eure Firma verbessert hat!

Geoff: Wir sind glücklich, den Raum mit einem talentierten und exzentrischen Landschaftsarchitekten zu teilen, so sind wir jetzt von Bambus und einer landschaftlich tadellos gestalteten Anlage umgeben. Es ist unglaublich entspannend im Vergleich zu unserem letzten Büro. Das Gebäude, ein altes renoviertes Haus, ist groß genug für einzelne Arbeitsbereiche, einem Konferenzraum und unseren Siebdruckbetrieb.

Arbeitet ihr meistens mit lokalen, nationalen oder internationalen Klienten? Aus welchen Geschäftsbereichen kommen sie?

Christian: Seltsamerweise haben wir landesweit eine Menge Arbeit, oft für größere Agenturen und Musiklabels und hier und da auch ein paar internationale Sachen. In den vergangenen Jahren haben wir auch für regionale Restaurants, Firmen und Einzelhandelsunternehmen gearbeitet und ihnen geholfen eine eigene Sprache und eine eigene Identität zu finden. Musik ist ein kleinerer Teil des Pensums als am Anfang, aber immer noch ein sehr wichtiges Element. Wir sind alle immer noch Musikfreaks.

Geoff: Nach wie vor lieben wir es, Poster zu machen und zwei oder drei im Monat herauszubringen. Wir werden auch weiterhin bei Flatstock (Rockposter-Shows, Anm. der Redaktion) dabei sein, weil es einfach Spaß macht. Auch die Kunstdruckserie die wir kuratieren und drucken geht weiter. Es gibt einfach zu viele Künstler mit denen wir diese Arbeit fortsetzen wollen.

[zurPerson title=Geoff Peveto]Er ist eine Hauptfigur des Studios mit Photographievergangenheit. Er gründete Factor 27, ein Unternehmen in Austin, das auf Entertainmentdesign spezialisiert war. Er brachte auch das Peterbelly Magazine heraus. Siebdruck ist eins seiner Fachgebiete, Bier trinken ein anderes. In seiner Freizeit hat er es geschafft das American Poster Institute, das die Flatstock-Shows auf die Beine stellt, mitzugründen und ihm als Präsident zu dienen.[/zurPerson]

Wohin geht die Musikindustrie aus Sicht des Grafikdesigns, des Marketings und der Werbung und welche Rolle spielt DRDC dabei?

Geoff: Es wird interessant. In mancher Hinsicht haben sich die Anforderungen für Grafik im digitalen Zeitalter geändert. Manche Labels legen weniger Wert auf die Verpackung. Allerdings scheint das Wiederaufleben von Vinyl und Plakaten eine direkte Gegenreaktion zu den digitalen Bestandteilen zu sein, die den Fans nichts Visuelles bieten können.

Christian: Ja, die Leute wollen noch immer etwas Handfestes, etwas Fühlbares, das die Musik repräsentiert die sie damit verbinden. Es sind vor allem Merchandisesachen, Poster und andere Artikel. Fans wollen immer eine Art Fahne, durch die sie sich selbst mit der Musik, die sie lieben, identifizieren können.

CD-GESTALTUNG DES MODEST MOUSE ALBUMS »WE WERE DEAD BEFORE THE SHIP EVEN SANK«

Schon seit den Anfängen seid ihr stark am American Poster Institute beteiligt. Wächst die Rockposterbewegung weiter oder hat sie sich eingepegelt?

Geoff: Sie scheint immer noch zu wachsen. Jedes Flatstock bringt einen neuen Schub Postermacher und meist auch wirklich großartige. Mindestens einen vielversprechenden Neuen gibt es in der Regel auch jedesmal wenn Clay die Neuzugänge auf www.gigposters.com aktualisiert. Wir werden von Bands kontaktiert, die nicht immer eine Vorgeschichte mit Plakaten haben. Sie sind daran interessiert sich ganze Tourserien machen zu lassen. So werden die Leute aufmerksam.

Hat die Wirtschaftskrise eher DRDC oder das American Poster Institute getroffen?

Christian: Wir sind bei Decoder tatsächlich beschäftigter als jemals zuvor. Eine Rolle dabei spielt Timing, die Aufrechterhaltung langandauernder Beziehungen und daß die Leute, angesichts der Wirtschaftlichkeit, eher zu uns kommen als zu größeren Agenturen zu gehen. Wir sind glücklich darüber, momentan an ein paar wirklich großen Projekten zu arbeiten.

Geoff: Das letzte Flatstock in Austin blieb etwa zehn Künstler unter seiner normalen Kapazität. Wenn wir mit den »Stammgästen« die nicht da waren sprechen, kommt heraus, daß sie eher nicht verreisen konnten, weil sie so beschäftigt waren. Geld spielte da keine Rolle. Wir hatten viele Besucher und es war bisher das größte SXSW (Musikfestival in Austin, Anm. der Redaktion). Die Leute sollten die Nachrichten ausschalten und einfach weiter arbeiten.

SIEBDRUCKPLAKAT FÜR EIN MANU CHAO KONZERT

Was ist »Frank«?

Geoff: »Frank« ist ein Projekt an dem ich gerade mit meinem Kumpel Daniel Northcutt der im Restaurantgeschäft ist, arbeite. Seltsamerweise gibt es keine guten Hot Dogs in Austin. Gelangweilt von miesen Chili-Dogs machten Daniel und ich unseren eigenen Laden auf. Es wird klassische Chili-Dogs und Chicago-Dogs geben, wie auch Gourmetwürste gepaart mit handgemachtem Käse und selbstgemachten Saucen. Und für unsere deutschen Freunde wird auch Currywurst auf der Karte stehen.

Christian: Ich kümmere mich um das Branding und mein jüngerer Bruder zog von Carolina runter um als Chefkoch zu fungieren. Wir freuen uns, Menschen zu finden mit denen wir Spaß haben können und herauszufinden, wie wir etwas zusammen aufbauen können.

KINGS OF LEON SIEBDRUCKPLAKAT VON 2008

Erzählt uns etwas über die Art-Print-Serie!

Geoff: Paul und ich, wir beide drucken und wir betreiben das Siebdruckstudio, wo wir in erster Linie nur Decoder Ring Sachen drucken. Eines Tages saßen wir beide da und überlegten wofür wir unseren Raum noch nutzen könnten und wir beschlossen, Kunstdrucke zu machen. Unsere Gigposter blieben in der Regel im Drei- bis Vierfarbbereich, doch wir wollten unsere Druckfähigkeiten vorantreiben, deshalb fertigen wir in unserer Serie Drucke mit 15 bis 25 Farben. Wir arbeiteten mit großartigen Künstlern wie Jay Ryan, Tara McPherson, Dalek, Gary Baseman und anderen. Du kannst die ganze Serie unter www.thedecoderring.com/category/fine-art-prints sehen.

Habt ihr eine gute stupid client story?

Christian: Wir haben keine dummen Klienten. Das Leben ist zu kurz um mit diesen Leuten zu arbeiten. Allen Ernstes, wir haben Glück gehabt mit einer Menge Leute zu arbeiten, die wir bewundern und mit denen wir Spaß haben. Abgesehen von Dan von Aesthetic Apparatus. Er war sternhagelvoll als er mit uns an seinem Druck arbeitete.

SPOON SIEBDRUCKPOSTER AUS DEM JAHRE 2005

Bleibt ihr in der Zukunft in dieser Besetzung oder wollt ihr expandieren?

Christian: Wir haben ein Netzwerk von talentierten Mitarbeitern, auf die wir nach Bedarf zurückgreifen können, ansonsten halten wir uns klein und fein.

Geoff: Wir mögen die Größe unseres Unternehmens. Sie erlaubt uns eine engere Zusammenarbeit mit dem Kunden.

Habt ihr einen Traumklienten?

Geoff & Christian: Wir würden gern für eine Bierfirma arbeiten.

Vervollständigt diesen Satz: Wenn wir es uns leisten könnten würden wir … kaufen.

Geoff: Ein Riesenstudio mit jeder erdenklichen Art von Druckmaschinen.

Christian: … und eine Brauerei

Abschließende Worte. Eure Kommentare zu irgendeinem Thema.

Geoff: Christian Helms ist ein Riesenschlappschwanz!

Christian: Sterilisiert und kastriert eure Haustiere. Bleibt auf dem Teppich und greift weiter nach den Sternen. [Artikelende][/Artikelende]

 

TEXT & INTERVIEW Andy MacDougall

CHRISTIAN HELMS BEIM DRUCKEN DES James Victore KUNSTDRUCKS »ART IS A TOOL«

 

»The Fidelity and Casualty« VON Aesthetic Apparatus IN 19 FARBSCHICHTEN

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