Galerien

Bongoût, Berlin


Zehn Fragen

an den Künstler und Galeriebetreiber Christian Gfeller

promo

Das Künstlerduo Bongoût betreibt seit 2008 die Bongoût Galerie in Berlin – die Schwedin Anna Hellsgård und der Franzose Christian „Meeloo“ Gfeller.

Worin liegt der künstlerische Schwerpunkt eurer Galerie?

Wir sind Künstler, die selbst die Zügel in die Hand nehmen. Anna und ich haben ein Siebdruckatelier, in dem wir seit 1995 Drucke und Künstlerbücher produzieren, sowohl unserer eigenen Werke als auch von den vielen anderen Künstlern, mit denen wir über die Jahre zusammengearbeitet haben (Stéphane Blanquet, Manuel Ocampo, Damien Deroubaix, Mathieu Desjardins, N8W, Jenni Rope, Seripop…) Im Februar 2008 haben wir unter demselben Namen die Galerie eröffnet: Bongoût (guter Geschmack).
Die Galerie ist eine Präsentationsplattform für unsere verschiedenen Aktivitäten sowie deren Resultate. Es ist ein Experimentierraum, in dem wir sowohl Ausstellungen kuratieren, als auch Konzerte, book-release-parties und filmscreenings organisieren. Im Ladenteil unserer Räume zeigen wir unsere neuesten Werke, sowie eine Auswahl von Büchern, Drucken, T-Shirts und ähnliches von Künstlern die wir mögen.

Eine Malerei von Stu Mead, fotografiert mit Modell von Christian Gfeller für die Ausstellung Naked In The Gallery anlässlich des 15jährigen Bestehens des Künstlerduos Bongoût
[Bildunterschrift]Eine Malerei von Stu Mead, fotografiert mit Modell von Christian Gfeller für die Ausstellung Naked In The Gallery anlässlich des 15jährigen Bestehens des Künstlerduos Bongoût[/Bildunterschrift]

Nach welchen Kriterien sucht ihr die Künstler aus, die ihr mit eurer Galerie vertreten möchtet?

Wir sehen uns nicht als Galeristen und vertreten daher in diesem Sinne keine Künstler. Es gibt keine »Bongoût-Liga« – die Künstler, mit denen wir zusammenarbeiten, sind in erster Linie Freunde oder Leute, deren künstlerisches Werk wir sehr schätzen und mit denen wir Lust haben zu arbeiten. Neue Abenteuer und neue Erfahrungen sind eine große Motivation und Antriebskraft für uns.

Was kostet bei euch Kunst?

Von 20 bis 20.000 Euro. Es ist ein weites Spektrum und hängt vom Bekanntheitsgrad des Künstlers ab. Für manche Künstler handelt es sich um ihre erste Ausstellung, während andere bereits etabliert sind. Wir produzieren jedoch regelmäßig signierte Druckeditionen von einer Vielfalt verschiedener Künstler. In diesem Gebiet haben wir bewusst eine andere Herangehensweise: Die Preise sollten für jedermann erschwinglich sein (zwischen 20 und 150 Euro). 

Das kanadische Künstlerduo Seripop als Gast bei Bongoût und als Protagonist des Kunstprojektes Naked In The Gallery
[Bildunterschrift]Das kanadische Künstlerduo Seripop als Gast bei Bongoût und als Protagonist des Kunstprojektes Naked In The Gallery[/Bildunterschrift]

Was muss ein gutes Kunstwerk mitbringen, um in eurer Galerie erfolgreich zu sein?

Letztendlich muss die Kunst, die wir bei Bongoût willkommen heissen, uns überraschen, etwas Einzigartiges haben und ein Element von Noch-Nie-Gesehenem. Es gibt nichts langweiligeres als Kunst-Trends und Nachahmer.

Was war die kontroverseste Ausstellung bisher in eurem Hause und warum?

Wir interessieren uns für Künstler, deren Ästhetik am Rande des Akzeptablen steht und die viel vom Publikum verlangt. Mit dem Publikum wird nicht unbedingt sachte umgegangen; wir zeigen regelmäßig Werke, die polemische Diskussionen auslösen. Die großen Aquarelle von Antoine Bernhart, die eine außer Kontrolle geratene Märchenwelt in Szene setzten; die schwarz-weiße Dokumentarfotografie über Underground-Milieus von Miron Zownir; oder die Bilder des japanischen Fotografen Daikichi Amano haben alle mitunter viel Kontroverse hervorgerufen. 

Welche Werke von toten oder lebenden Künstlern würdet ihr gern einmal in eurer Galerie zeigen?

Die Möglichkeiten sind endlos. Wir arbeiten hart daran, unsere Träume in Erfüllung gehen zu lassen.

Fotografie von Christian Gfeller für die Ausstellung Naked In The Gallery
[Bildunterschrift]Fotografie von Christian Gfeller für die Ausstellung Naked In The Gallery[/Bildunterschrift]

Wer sind eure persönlichen Lieblingskünstler?

Auch wenn das aus unserer Arbeit vielleicht nicht offensichtlich hervorgeht, sind Marcel Duchamp und Joseph Beuys wichtige Einflüsse. Kippenberger und Baselitz sind unter den Klassikern weitere Lieblingskünstler. In der gegenwärtigen Kunst gehören Christopher Wool, Manuel Ocampo, Albert Oehlen, Dan Colen, Sterling Ruby, Nicole Eisenmann, Thomas Zipp und Cameron Jamie u.a. zu unseren Lieblingskünstlern.

Wo liegen eurer Ansicht nach die Differenzen zwischen Kunst und Kunstmarkt?

Der Kunstmarkt ist widerwärtig und obszön. Das ist nicht nur eine Redensweise, sondern eine tatsächlich physische Wirklichkeit. Leider ist es sehr schwierig, ohne Geld Kunst zu machen und zu produzieren. Der Kunstmarkt erstickt die Kreativität und lässt den Künstlern keinen Platz mehr für Irrtum und Experimente. Stattdessen erwartet er Kunst, die dem Geschmack der Sammler, Institutionen und Galeristen entspricht und vorbestellt werden kann. Es ist eine tragische Sachlage und es liegt meiner Meinung nach bei den Künstlern, dies zu ändern. Das ist ein Grundanliegen unseres Projektes.

Fotografie von Christian Gfeller für die Ausstellung Naked In The Gallery
[Bildunterschrift]Fotografie von Christian Gfeller für die Ausstellung Naked In The Gallery[/Bildunterschrift]

Was bedeutet Kunst für euch?

Alles und nichts, Kunst ist unsere Leidenschaft. Wir haben uns bewusst entschieden, sie zu unserem Lebensmittelpunkt zu machen und folglich richtet sich unser ganzes Leben danach.

Wessen Kunst schmückt eure private Wohnung?

Wir haben neulich das berühmte Werk von Courbet, L‘Origine du Monde, im Original auf einer Auktion ersteigert. Wir haben es im Wohnzimmer aufgehängt. Es ist das einzige Kunstwerk an den Wänden unseres Hauses. Jeden Morgen schaue ich beim frühstücken darauf und denke jedesmal, dass es wirklich das weltweit herausragendste Kunstwerk ist. Schwer zu übertrumpfen. [Artikelende][/Artikelende]

Bongoût
Torstrasse 110
10119 Berlin

[list][li]www.bongout.org[/li][li]Naked in the Gallery im Shop von Bongout[/li][/list]

Leave a Comment

*