Thema

Leise rieselt der Schnee

Die Malerei zwischen Tiefsinn und tiefer Sinnlichkeit

Ein Essay von Danny Linwerk

Winzige Eiskristalle formieren sich zu Schneeflocken. Langsam taumeln sie der Erde entgegen. Als Schnee türmen sie sich auf alles – auf dicke Häuserblöcke, auf feste Straßen, aber auch auf winzige Zweige und locker gespannte Schnüre. Die Macht des Schnees ist erstaunlich – wie er im Stande ist komplizierte Infrastrukturen lahmzulegen und starke menschliche Konstruktionen außer Kraft zusetzen. Es ist beeindruckend mit anzusehen wie der Schnee gleichzeitig Heiterkeit in den Individuen hervorrufen kann. Dieser Schnee entfacht in seiner Leichtigkeit eine so enorme Kraft – in ästhetischer Hinsicht, wie auch als rein physikalische Größe – dass Künstler nur davon träumen können, so etwas gewaltiges und selbstverständliches zu erschaffen.

BILLY CHILDISH · With Scout Under Rowan Tree 2011 · Öl und Kohle auf Leinwand · 152 x 122 cm courtesy of the L-13 Light Industrial Workshop
[Bildunterschrift]BILLY CHILDISH · With Scout Under Rowan Tree 2011 · Öl und Kohle auf Leinwand · 152 x 122 cm courtesy of the L-13 Light Industrial Workshop[/Bildunterschrift]

 

All die Diskurse, die über den Sinn und die Bedeutung der Kunst geführt werden, scheinen mir als Maler bei diesem Gleichnis unwichtig. Betrachten wir diese Naturereignisse unvoreingenommen, sollten wir begreifen, wonach es sich lohnt in der Kunst zu streben, denn nichts ist wertvoller, wahrhaftiger, erhabener, kom­plexer und edler als die natürlichen Vorgänge im Universum. Keine Schneeflocke braucht einen gesellschaftlichen oder politischen Bezug um als großartiges Werk gesehen zu werden. Kein Ozean dieser Welt braucht einen intellektuellen Diskurs um seine Daseinsberechtigung in der Natur zu manifestieren. Und selbst der blühende Kastanienbaum braucht keinen aktuellen Zeitbezug um das sein zu dürfen, was er ist – eine Schöpfung der Natur.

Warum also ist es gerade in der Gegenwartskunst scheinbar von Nöten, all diese Kriterien zu erfüllen um vielleicht etwas als zeitgenössische Kunst wertzuschätzen? Den Beweis, dass es in der aktuellen Kunst nicht selten so zugeht, sehen wir nicht zuletzt an den Preisträgern großer und kleiner Kunstwettbewerbe. Viele wichtige Kunstpreise bekommen heute nur noch selten Künstler, die sich zum Beispiel mit einer unmittelbaren Malerei beschäftigen.

Vor allem in der bildenden Kunst ist es in den letzten Jahrzehnten zur Mode geworden, konzeptuell zu arbeiten. Wir hören und lesen immer wieder Stimmen die sagen, auch Malerei muss im 21. Jahrhundert einen Gesellschaftsbezug haben um gut zu sein, als moderner Künstler soll man politisch Stellung beziehen oder der Gegenwartskünstler misst sich heutzutage am Kunstmarkt. Die Malerei wird dabei oft genug in den Dienst theoretischer Kunst gestellt. In der Summe wird damit allerdings vorgetäuscht, dass Malerei heute anders funktionieren sollte.

 

Sie ist kein Medium für weltflüchtige Künstler …

 

Ich sage nein – unmittelbare Malerei und Zeichnung kann auch heute noch eine der höchsten künstlerischen Disziplinen sein. Sie ist weder anachronistisch, noch muss sie interdisziplinär, übergreifend oder multimedial sein. Sie ist kein Medium für weltflüchtige Künstler, sondern eins für weltbewusste Künstler, denn die Welt ist nicht nur das konstruierte Gesellschaftssystem in dem wir leben.

Diese Erkenntnisse über die Malerei sind nicht neu, aber immer wieder geraten sie in Vergessenheit und immer wieder sind es nicht die Kunstvermittler, sondern die Maler und die Wertschätzer der Malerei, die diese künstlerische Disziplin auf ihre wahren Werte zurückholen, ohne sie neu erfinden zu müssen.

Kürzlich hörte ich eine Konzeptkünstlerin sagen, dass ihre eigenen Arbeiten und die ihrer politisch und konzeptuell arbeitenden Kollegen anspruchsvoller wären, als die Arbeiten einer Malerin. Es handele sich ja bloß um Malerei, war ihr Unterton. Auch wenn ich die Arbeiten dieser Malerin nicht kenne, zeigt diese Einschätzung ein wenig den Zeitgeist in der aktuellen Kunstwelt. Der Kanon ist der, dass nur diese Kunst anspruchsvoll ist, die sich zeitbezogen, politisch und gesellschaftspolitisch, vielleicht auch noch sozial auseinandersetzt und diese Auseinandersetzung vielleicht noch mit einer Installation illustriert.

ANDRÉ SCHULZE · Werkhalle · 2010 · Öl auf Leinwand · 100 x 130 cm
[Bildunterschrift]ANDRÉ SCHULZE · Werkhalle · 2010 · Öl auf Leinwand · 100 x 130 cm[/Bildunterschrift]

 

Dass ein Maler oder Zeichner sich im besten Falle mit einem hochkomplexen Netz aus Farbkräften, Formen, Klängen, Werten, Naturgleichnissen, Empfindungen, seelischen Zuständen und einer Jahrtausende alten Malereigeschichte bewusst und unterbewusst auseinandersetzt, wird heute nur noch selten begriffen. Und die Wertschätzung der Bilder, die am Ende stehen und bestenfalls all das Elementare, Prozesshafte und Schöpferische des menschlichen Geistes beinhalten und nichts zu illustrieren versuchen, leidet nicht zuletzt darunter, dass diese Bilder letztendlich »nur« auf Gefühle und Empfindungen abzielen.

Sie zielen darauf ab, das Menschsein spürbar zu machen, vielleicht ähnlich wie beim Schwimmen im Wasser, das Spielen im jungen Kindesalter oder der Blick in eine weite Landschaft. Der moderne Mensch tut sich oft schwer, wenn er keine Geschichte, kein Konzept und keine Bezüge zu seiner Umwelt und Geschichte serviert bekommt.

Ich glaube, nicht zuletzt können wir das dem kulturellen Fortschritt zuschreiben, der den Menschen im Extremfall zu einer bloßen Hülle konditioniert hat. Wir müssen immer weniger selbst empfinden und kaum durch Beobachtung und Versuch zur Erkenntnis gelangen. Wir bekommen vieles schon durch Werbung, Fernsehen, Internet, Zeitschriften, Sachbücher und Erziehung mundgerecht serviert. Wenn uns über Generationen hinweg in verschiedenen Medien vorgelebt und »bewiesen« wird, wie die Dinge sind und wie wir sie sehen sollten und immer neuere Bedürfnisse kreiert werden, wird dieser Zeitgeist, oder vielmehr dieses Zeitgespenst, irgendwann zu einem kulturellen Erbe und somit zur Normalität.

Selbst die Deutung von Naturvorgängen muss dann in die zeitgenössischen Sichtweisen eingepasst werden. So wird heute in den Medien selten über »Schneefall« berichtet, sondern über »Schneechaos«, das das öffentliche Leben lahmlegt. Es wird nicht darüber berichtet, dass Flüsse zeitweise breiter werden, sondern über Überschwemmungskatastrophen.

Auch die Kunst braucht scheinbar diese Bezüge zum konstruierten modernen Menschen und seiner gebauten Umwelt, um wertgeschätzt werden zu können.

Dass sie diese Bezüge meistens trotzdem hat und auch haben kann, möchte ich nicht anzweifeln. Nur dass sie als entscheidende Kriterien der Kunstbetrachtung gelten sollen – vor allem in der bildenden Kunst – bleibt fraglich. Ich bin der Meinung, dass Kunst durchaus als pure Natur betrachtet werden kann. Dazu müssen wir natürlich den Menschen als Teil der Natur anerkennen und auch seine Fähigkeit schöpferisch tätig zu sein, als eine naturgegebene vorprogrammierte Kraft annehmen. Dabei muss die Kunst natürlich völlig frei sein und nicht zweckdienlich produziert.

Wenn diese Kunst dann etwas Eigenes ist, was für sich selbst stehen kann, wenn es keine bloße Abbildung von Natur oder künstlichen Dingen ist, dann bin ich der Meinung, kann Kunst durchaus als Natur gesehen werden. Wenn wir aber beginnen, nur die menschlichen Konstruktionen mit unserer Schöpferkraft zu umreißen und zu reflektieren, wird die Fähigkeit etwas Selbstverständliches zu erschaffen, verkümmern.

PETER WUTTKE · Los 2010 · Öl auf Baumwolle · 150 x 160 cm
[Bildunterschrift]PETER WUTTKE · Los 2010 · Öl auf Baumwolle · 150 x 160 cm[/Bildunterschrift]

 

Auch wenn die Malerei immer wieder für tot erklärt wird, heißt das nicht, dass sie es auch tatsächlich ist. Was getan wurde, war lediglich die Definition der irdischen Grenzen nach rechts und links zu formulieren. Oder wie es der Maler Markus Lüpertz beschreibt, dass es sich hierbei immer um »avantgardistische Bemühungen« handelt, die »Endpunkte in der Malerei darstellen, an denen wir uns immer wieder vorbeilavieren um letztendlich wieder zu einem Bild und zur Vollendung zu gelangen«.

In der Malerei geht es demnach nicht über einen zweidimensionalen Bildträger hinaus (auch wenn Malerei sehr haptisch ist), dann wäre es keine Malerei mehr, sondern Skulptur oder irgendeine andere Kunstform. Ich glaube, dass es in der Malerei um eine extreme Komprimierung des Universums geht. In dieser Beschränkung eine so gewaltige Aufgabe zu erfüllen, bedarf es einer großen Konzentration um überhaupt sortieren zu können. Diese Konzentration wird nicht zwangsweise größer und bedeutender, wenn wir zum Beispiel in die dritte Dimension oder übergreifend in andere Medien gehen.

Die profanen Grenzen wurden in Momenten der Malereigeschichte gezeigt, als vielleicht Kasimir Malewitsch sein schwarzes Quadrat auf weißem Grund schuf. Eine Grenze, die aber gleichzeitig neue Möglichkeiten innerhalb der Malerei eröffnete – die Geburtsstunde der gegenstandslosen Malerei.

In der Malerei blieb es nach wie vor lebendig. Selbst Malewitsch kehrte von da an in die Vielförmigkeit der Malerei zurück, sogar bis hin zur figurativen Malerei. Viele dieser Bewegungen innerhalb der Malerei, sei es nun der Suprematismus, der abstrakte Expressionismus oder der Minimalismus waren aus heutiger Sicht wichtige Statements, die für die Malerei allerdings kein Ende bedeuteten.

Ich glaube, in der Malerei sollte es nicht darum gehen an immer neue Grenzen zu gelangen oder sie gleichbedeutend dem technischen oder ökonomischen Fortschritt voranzutreiben. Vielmehr macht es Sinn, sie immer wieder auf ihre Ursprünglichkeit zu bringen, was allerdings nichts mit einem Rückschritt zu tun haben soll.

Wenn wir also Entwicklung nicht nur linear in eine Richtung von hinten nach vorn sehen, sondern die Entwicklung auch in der Breite und Tiefe, dann können wir vielleicht begreifen, dass Malerei weder rückschrittlich noch tot ist, wie es oft behauptet wird. Vielleicht gibt es für folgende Generationen dafür Hoffnung. Vielleicht stehen wir gerade jetzt an diesem Wendepunkt zu einem neuen Zeitalter, wo auch die Kunst wieder elementarer werden kann. Vielleicht gibt es in dieser nächsten Periode der Menschheit die Abkehr vom vorrangigen Streben nach Fortschritt und die Hinwendung zur Ursprünglichkeit des Menschen als Naturbestandteil, und das nicht nur in der Malerei und der Kunst.

 

Die Natur holt sich letztendlich alles wieder zurück

 

Das steigende Interesse an ökologisch-einwandfrei hergestellten Nahrungsmitteln oder der Ausstiegswille aus der Atomkraft oder das langsame Zusammenbrechen kapitalistischer Systeme sind vielleicht schon die ersten Vorzeichen für ein neues Bewusstsein des Menschen als Bestandteil der Natur. Es wird also dem Menschen sicher nicht gelingen sich in aller Konsequenz über die Natur zu stellen, denn er ist und bleibt nun einmal ein Teil von ihr. Er gehört zu ihr dazu, auch wenn er versucht aus ihr auszubrechen. Die Natur holt sich letztendlich alles wieder zurück.

Das muss nicht bedeuten, dass sie den Menschen vernichtet und aussterben lässt. Vielleicht holt sie sich den Menschen auch einfach nur wieder zu sich zurück. Finanzkrisen, Börsencrashs und andere Revolutionen scheinen demnach völlig natürlich im buchstäblichen Sinne. Da braucht es nicht mal die vielzitierten apokalyptischen Umweltkatastrophen.

Die Freiheit und Unmittelbarkeit in der Malerei und Zeichnung wird heute oft als romantisierend und sentimental abgetan. Das und die Totsagungen der Malerei zeigen vielleicht ein bisschen die Resignation vor der gewaltigen, geduldvollen und schwierigen Aufgabe ein Bild zu schaffen und nicht zuletzt die Abkehr, oder noch mehr der Fortschritt des Menschen von der Natur.

 

Nichts zu erwarten heißt, die Möglichkeit zu haben, völlig neue Welten entdecken zu können

 

Sie zeigt, dass es uns nicht immer mehr möglich ist eine Malerei oder Zeichnung als das zu betrachten was sie ist, als ein Bild, und nicht als eine Geschichte, ein Statement oder ein Abbild. Dass natürlich Geschichten, Statements und Abbilder zum Prozess ein Bild zu erschaffen dazu gehören können, sollte klar sein. Aber ich glaube, ein Bild sollte im besten Fall in seiner Vollendung in der Lage sein, von all dem loslassen zu können um als selbstgenügsame Schöpfung existieren zu können, die keinerlei Erklärung bedarf. Und dabei dürfte es egal sein ob es sich um figurative, abstrakte oder gegenstandslose Malerei handelt.

Was uns oft daran hindert Bilder als große Ereignisse wahrzunehmen sind unsere Erwartungen und unser Wissen – also nicht zuletzt unser Geschmack. Oder noch frappierender ist es, wenn wir fast unbewusst erwarten unser Weltbild in der Kunst bestätigt zu sehen.

Nichts zu erwarten heißt, die Möglichkeit zu haben, völlig neue Welten entdecken zu können und ganz besonders in einem gemalten Bild. Wenn es uns gelingt in Momenten der Bildbetrachtung, unsere Ungeduld, die Dinge mit unserem Wissen, schnell ergründen zu wollen, sie mit unseren Erwartungen und unserem Geschmack abzugleichen zu überwinden, dann kann es sehr erhebend sein, großartige Bilder zu betrachten.

Die Gegenwartskunst stellt längst nicht mehr die Frage, was kann ich in der Malerei erreichen, sondern lotet die Möglichkeiten der Malerei aus und fragt, was kann ich mit der Malerei erreichen.

Natürlich kann man mit der Malerei übergreifend einiges anstellen. Ob die Kunst dadurch größer und bedeutender wird, bleibt zweifelhaft. Beim Betrachten des weiten Meeres können wir uns ebenso die Frage stellen, was sind die Möglichkeiten des Ozeans und würden auf allerhand Ergebnisse kommen. Wir könnten auf ihm mit Booten und Schiffen von A nach B fahren oder in ihm fischen. All das kann allerdings in der Betrachtung nie die Größe und ästhetische Kraft des eigentlichen Ozeans steigern. Die Selbstverständlichkeit und die Empfindung des weiten Meeres stehen hier über den gesellschaftsnützlichen Möglichkeiten.

Vielleicht können wir das mit der Malerei ähnlich sehen. Es gibt ein schönes Zitat vom Literaturnobelpreisträger Carl Spitteler aus seinem Buch »Imago«. Da schreibt er: »Eure Bildung, eure Wonne über Kunst und Literatur? Wenn man euch zur Rechten die Tür zum Paradiese auftäte und zur Linken einen Vortrag über das Paradies ankündigte, ihr würdet sämtlich am Paradies vorbei in den Vortrag laufen. ›Interessant, interessant!‹«

Vor über einem Jahrhundert haben einige Künstler die natürliche Schöpferkraft des Menschen regelrecht wiederentdeckt (und das in der Natur) und sie haben begonnen die Bildkunst der abendländischen Kultur seit den Höhlenmalereien in der Steinzeit wieder zu befreien. Die Bildkunst ist in den Jahrhunderten vom Elementaren über die christliche Religion in die Bürgerlichkeit geführt worden.

 

… diesmal heißt die Religion Wissenschaft und die Bürgerlichkeit Gesellschaftspolitik

 

 

Die Maler aus dem späten 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert führten sie wieder zurück auf das Elementare, denn die Aufgabe des Abbildes und der Darstellung konnte ab da die Fotografie übernehmen. Auch heute noch bewegen sich Künstler in dieser neu geschaffenen Freiheit, die unter anderen von Malern wie Paul Cezanne, Paul Gauguin, Vincent Van Gogh oder Edvard Munch begründet wurde.

Heute ist es nicht selten, dass versucht wird die Malerei erneut in theoretische Korsetts zu zwängen, nur diesmal heißt die Religion Wissenschaft und die Bürgerlichkeit Gesellschaftspolitik. Oft kann diese Malerei allerdings nicht wirklich mehr als Geschichten erzählen, Querverweise herstellen oder Konzepte bebildern.

Die möglichen Empfindungen, die bei der Betrachtung dabei entstehen können, beziehen sich demnach fast nur auf den theoretischen Teil der Kunst, die sich oft als persönliches Hochgefühl, etwas metaphysisch ergründet zu haben, entpuppt – somit eine reine Liebkosung des eigenen Intellekts. »Die Kunst ist zu ihrer eigenen Wissenschaft geworden«, erklärte ein Protagonist im Film La Chinoise von Jean-Luc Godard bereits in den Sechzigern.

Ich bin der Meinung, dass es paradoxerweise auch schon den russischen Suprematisten um Malewitsch in ihrer theoretischen Betrachtung der Malerei eigentlich darum ging, zu sagen, dass die Unmittelbarkeit in der Malerei das höchste Gut ist, und alle weiteren Bedeutungsebenen dem untergeordnet sind, denn in dem 1927 veröffentlichten Buch »Die gegenstandslose Welt« schrieb Malewitsch: »Unter Suprematismus verstehe ich die Suprematie der reinen Empfindung in der bildenden Kunst.«.

FRANZISKA HESSE · o.T. 2011 · Mischtechnik auf Papier · 10 x 15 cm
[Bildunterschrift]FRANZISKA HESSE · o.T. 2011 · Mischtechnik auf Papier · 10 x 15 cm[/Bildunterschrift]

 

Natürlich spreche ich momentan nur von der Malerei und der Zeichnung und ein Stück weit von Skulptur. Der Kunstbegriff an sich ist heute aber weiter gefasst und geht über die bildende Kunst hinaus. Allerdings sollten wir nicht dem Irrglauben unterliegen, alles was sich künstlerisch von der Malerei und Zeichnung wegbewegt, sei es nun Konzeptkunst, Objektkunst, Fotografie, Avantgardemalerei oder Videoinstallationen, sei anspruchsvoller, komplexer und bedeutender.

Musik, Literatur und andere künstlerische Disziplinen, es sei mir verziehen, möchte ich an dieser Stelle einmal ausklammern. Nicht wenige zeitgenössische Künstler haben sich zur Aufgabe gemacht mit ihrer Arbeit Sichtweisen zu ändern, sie zu verschieben oder gar aufzuheben, sie stellen Zusammenhänge her und wollen verdeutlichen. Das ist natürlich alles sehr edelmütig und wenn es tatsächlich gelingt, ist es auch noch wirklich gute Kunst.

Allerdings ist diese Verschiebung, Änderung, Aufhebung, Verdeutlichung und Verbindung von etwas Vorhandenem noch kein rein schöpferischer Akt. Und der schöpferische Akt, der auch kein Abbild von Natur ist und keinem kulturellen, politischen, ökonomischen oder wissenschaftlichen Zweck dient, ist meiner Meinung nach eine der größten und edelsten Tätigkeiten die ein Mensch vollbringen kann, weil sie so nah an der Natur ist.

Um das zu erkennen und wertschätzen zu können, muss aber nicht nur die Malerei und Zeichnung frei bleiben, sondern wir als Menschen müssen auch in der Lage sein, unseren Geist befreien zu können. Denn nur ein freier Geist ermöglicht den naturentsprechenden schöpferischen Akt und nur dadurch kann unsere Kunst so leicht, kraftvoll und selbstverständlich werden wie der leise rieselnde Schnee. [Artikelende][/Artikelende]

Danny Winkler

[list][li]Billy CHildish | *1959 in Chatham, Kent | www.billychildish.com[/li][li]ANDRE SCHULZE | *1982 in Dresden | www.andreschulze.de[/li][li]PETER WUTTKE | *1978 in Leipzig | www.peterwuttke.de[/li][li]FRANZISKA HESSE | *1979 in Crivitz | www.franziska-hesse.de[/li][li]DANNY LINWERK | *1977 in Elsterwerda | www.linwerk.de[/li][/list]

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