
Alfons Mucha »Tod der Braut des Hasanaga«, 1899
Kohle auf ockerfarbenem Papier, 44,7 x 59,7 cm
© Mucha Trust 2009, VG-Bild-Kunst, Bonn 2009, Foto: Nationalgalerie Prag
Der Mythos vom anfangs verschmähten und dann doch weltberühmten Künstler existiert mindestens schon so lange wie es Kunstakademien gibt. Der Urvater der modernen Malerei Paul Cézanne wurde zum Beispiel regelmäßig von der staatlichen Kunstakademie abgelehnt. Und auch Edouard Manet und seine Impressionistenkollegen wie Renoir, Monet oder Degas wurden oft vom jährlichen Pariser Salon ausgeschlossen. Das waren alles Künstler die später Weltruhm erlangten und einen enormen Einfluss auf die Kunst nahmen. Nicht anders erging es einem jungen Tschechen namens Alfons Maria Mucha. Er wurde 1878 von der Prager Akademie abgelehnt und wurde später der Hauptrepräsentant einer ganzen Kunstrichtung: dem Jugendstil.
Alfons Mucha ist bekannt für seine detailliert ausgearbeiteten Plakatentwürfe, Buchillustrationen und Schmuckkreationen. Seine strengen Frauenbilder die zugleich sinnlich von wallenden Kleidern und reicher Pflanzenornamentik umgarnt werden, waren stilprägend für die Kunstepoche des Jugendstils. Die üppigen Dekorationen waren zu ihrer Zeit bahnbrechend und regelrecht avantgardistisch. Heute kaum vorstellbar, mutete der Jugendstil zu Ende des 19. Jahrhunderts fast schon minimalistisch an – stand dem doch das schwere wulstige Neubaroke des angestaubten Bürgertums gegenüber. Die filigranen Linien des Jugendstils, die zarten Blümchenornamente und leichten Nymphenbildnisse brachten die nötige Leichtigkeit in Dekoration, Design und Baukunst.
In der Ausstellung »Alfons Mucha. Meister des Jugenstils« zeigt die Münchener Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung jetzt eine große Retrospektive seines Werks. In dieser Schau wird aber nicht nur Muchas Dekorationskunst zum Thema gemacht, sondern auch der Maler Alfons Mucha wird in ein neues Licht gerückt. Neben seinen weitverbreiteten Druckgrafiken schuf Mucha zum Beispiel auch große Historiengemälde, großformatige Wandgemälde, sowie zahlreiche Pastell- und Kreidezeichnungen.
Nachdem Mucha damals von der Prager Akademie abgelehnt wurde siedelte der Neunzehnjährige nach Wien um, wo er von 1879 bis 1881 eine Schule für Theatermalerei besuchte. Nach einem anschließenden Aufenthalt in München zog es ihn 1889 nach Paris, in die damalige europäische Kunsthauptstadt. Dort gab es neue Impulse, dort wurden neue Kunststile diskutiert und etabliert. Die bekannte Schauspielerin Sarah Bernhardt war einige Jahre später auf der Suche nach einem Künstler. In Alfons Mucha fand sie den idealen Repräsentanten ihrer Person und vergab an ihn den Auftrag für ein Plakat des Theaterstücks »Gismonda«. Das Plakat war ein so großer Erfolg und bedeutete den Durchbruch für Alfons Mucha. Neben der Ausführung zahlreicher Gestaltungsaufträge für Theater und Werbung hegte Mucha schon lange den Wunsch monumentale Werke zu schaffen. Eine erste Gelegenheit erhielt er 1900 auf der Pariser Weltausstellung. Mit dem Auftrag den Pavillon Bosnien-Herzegowina auszumalen lieferte Mucha einen wichtigen Beitrag für das Großereignis der Jahrhundertwende. Auf großen Leinwänden schildert er die Geschichte des Landes. Der Großteil der Wandbilder ist erhalten geblieben. In der Münchner Ausstellung werden sie zum ersten Mal innerhalb der maßstäblich rekonstruierten Zentralhalle des damaligen Pavillons wieder zu sehen sein.
Zehn Jahre später ermöglichte der amerikanischer Mäzen Charles R. Crane die Realisierung des »Slawischen Epos«, ein Zyklus mit zwanzig monumentalen Darstellungen zur Geschichte der Slawen. In »Alfons Mucha. Meister des Jugenstils« werden zwei dieser Gemälde, sowie eine Anzahl von Skizzen, Studien und Übertragungszeichnungen, gezeigt. Diese Werke gelten heute als monumentale Hauptwerke Muchas.
»Alfons Mucha. Meister des Jugendstils«, Retrospektive
Ab 9. Oktober 2009 bis 24. Januar 2010
Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, Theaterinerstr. 8, 80333 München

Alfons Mucha »Tierkreiszeichen für La Plume«, 1896
Farblithografie, 64,5 x 48 cm
Bibliothèque nationale de France, Paris
© Mucha Trust 2009, VG-Bild-Kunst, Bonn 2009, Foto: Albertina, Wien
Alfons Mucha »Prinzessin Hyazinthe«, 1911
Farblithografie, 125,5 x 83,5 cm
Mucha Trust
© Mucha Trust 2009, VG-Bild-Kunst, Bonn 2009 

LINKS: Alfons Mucha »Die Kameliendame, Sarah Bernhardt«, 1896
Farblithografie, 207 x 77 cm
Bibliothèque nationale de France, Paris
© Mucha Trust 2009, VG-Bild-Kunst, Bonn 2009, Foto: Albertina, Wien
RECHTS: Alfons Mucha »Medea«, 1898
Farblithografie, 201,5 x 75 cm
Moravische Galerie, Brno
© Mucha Trust 2009, VG-Bild-Kunst, Bonn 2009, Foto: Moravische Galerie, Brno 
Alfons Mucha »Job«, 1896
Farblithografie, 60 x 46 cm
Bibliothèque nationale de France, Paris
© Mucha Trust 2009, VG-Bild-Kunst, Bonn 2009, Foto: MAK 
Alfons Mucha »Frau mit Margerite«, 1898/99
Bedruckter Veloursstoff, Hintergrund rostrot, 78,5 x 81 cm
Bibliothèque Forney, Paris
© Mucha Trust 2009, VG-Bild-Kunst, Bonn 2009, Foto: Bibliothèque Forney, Paris 
Alfons Mucha »Slavische Einigkeit, Entwurf für das Deckengemälde des
Primatorensaales im Repräsentationshaus der Stadt Prag«, 1910/11
Öl/Leinwand, 120 x 120 cm
Galerie der Hauptstadt Prag
© Mucha Trust 2009, VG-Bild-Kunst, Bonn 2009, Foto: Galerie der Hauptstadt Prag 
Alfons Mucha »Portrait von Jaroslava, Tochter des Künstlers«, 1916
Rote, schwarze und grüne Kreide/Papier, 26 x 19 cm
Mucha Trust
© Mucha Trust 2009, VG-Bild-Kunst, Bonn 2009 
Alfons Mucha »Selbstportrait mit Palette«, um 1907
Öl/Leinwand, 44 x 30 cm
Mucha Trust
© Mucha Trust 2009, VG-Bild-Kunst, Bonn 2009 
Alfons Mucha »Entwurf für Tafel 35 der Documents Décoratifs«, 1902
Bleistift und farbige Kreide/Papier, 53 x 34 cm
Mucha Trust
© Mucha Trust 2009, VG-Bild-Kunst, Bonn 2009
Ansicht des Pavillons für Bosnien Herzogowina in der Mucha-Ausstellung im
Belvedere, Wien 2009
Foto: Belvedere/APA-OTS/Ludwig Schedl 
Alfons Mucha »Der heilige Berg Athos«, 1926
Eitempera/Leinwand, 405 x 480 cm
Galerie der Hauptstadt Prag
© Mucha Trust 2009, VG-Bild-Kunst, Bonn 2009, Foto: Alfred Weidinger 
Alfons Mucha »Die Natur«, 1899-1900
Bronze, vergoldet, Malachit, Höhe: 70 cm
Gießerei: Pinedo, Paris
Musées royaux des Beaux-Arts de Belgique, Brüssel
© Mucha Trust 2009, VG-Bild-Kunst, Bonn 2009
Foto: Musées royaux des Beaux-Arts de Belgique, Brüssel
